Donnerstag, 2. Juni 2016

Number26 sorgt für Verstörung in der Fintech-Szene

Von Ralf Keuper

Gestern noch der gefeierte Star am Fintech-Himmel, heute der Buhmann. So könnte man mit Blick auf Number26 die Entwicklung der letzten Stunden beschreiben. Auslöser der atmosphärischen Störung in der Fintech-Community war die Meldung, wonach Number26 hunderten Kunden gekündigt hatte. Über die Gründe wird im Netz derweil spekuliert, da Number26 sich aus Datenschutzgründen nicht näher äußern will. 

Mittlerweile haben verschiedene Medien das Thema aufgegriffen. Hier eine Auswahl:
Auf heise.de macht sich ein Leser Gedanken über das Geschäftsmodell von Number26
Soweit ich das sehe, sind die einzigen Einnahmequellen von Number 26, die Interbankenentgelte für den Einsatz der MasterCard, die Gebühren für Bargeldeinzahlungen und die Dispozinsen. Diese Einnahmen werden wahrscheinlich zu großen Teilen an die Wirecard Bank gehen. Dem gegenüber stehen nicht unerhebliche Ausgaben für die Bargeldabhebungen und die Transaktionskosten für Überweisungen und Lastschriften. Die Eröffnung eines Kontos mit dem Video-Ident-Verfahren ist auch nicht billig. Plus laufende Personalkosten. Ich bin gespannt wie lange sie durchhalten.
Ein anderer Leser schreibt:
So eine Bank ist kein verlässlicher Partner für mich. 
Da zahle ich lieber ein Gebühr und bekomme zumindest etwas Service und einen Ansprechpartner vor Ort. Deshalb bin ich immer noch bei der Sparkasse. Die besuche ich nur ca einmal im Jahr, aber dann kann man mit denen reden.
Für einigen Unmut sorgen wohl auch Schufa-Anfragen, die ohne vorherige Einwilligung der Kunden eingeholt worden sein sollen, worüber Heise und ein Leser berichten.

Es mag plausible geschäftspolitische Gründe für die Kündigungen geben. Ein junges Unternehmen, das mit dem Anspruch auftritt, besser zu sein als die herkömmlichen Banken und dies auch öffentlich bei nahezu jeder sich bietenden Gelegenheit verkündet, muss jedoch damit rechnen, dass in seinem Fall besondere Maßstäbe angelegt werden. 

Erst am vergangenen Wochenende thematisierte die FAZ in dem Beitrag Die Gesellschaft sitzt mit am Vorstandstisch die wachsenden Ansprüche, die von den Bürgern und Kunden heutzutage an die Unternehmen gestellt werden. Der Autor Georg Giesberg schreibt u.a.:
Ein Unternehmen lebt nicht nur ein einem rechtlichen und (wertfreien) ökonomischen Umfeld, sondern auch in einem sozialen Umfeld. 
Auch eine Challenger Bank muss sich früher oder später am Stakeholder Value messen lassen:
Bei uns werden Aktiengesellschaften zu Recht in einer besonderen Verantwortung gesehen. Dazu gehört die Einbettung in die Region, das Land und die Sparte. Diesen Teil der Verantwortung würde ich Stakeholder Value nennen. Der nur auf den Share ausgerichtete Bewertungsansatz reicht mir nicht aus. Unternehmen handeln immer auch als Teil der Gesellschaft, sind mithin auch ein prägendes Element dieser Gesellschaft. (in: Borschtsch, Banken, Beuys - F. Wilhelm Christians - Der erste deutsche Investmentbanker)
Fintech-Startups sind Teil der Gesellschaft. Auch sie müssen sich bestimmte Fragen gefallen lassen. Allerdings sollte die kritische Öffentlichkeit dabei nicht das Augenmaß verlieren, d.h. Newcomer dürfen Fehler machen; Lernbereitschaft vorausgesetzt. 

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