Freitag, 17. Oktober 2014

Werden Banken durch den technologischen Fortschritt überflüssig?

Von Ralf Keuper

In den vergangenen Wochen häuften sich die Artikel, in denen die Autoren bezweifeln, dass die Banken durch den technologischen Fortschritt verschwinden werden. Den Anfang machte John Authers mit seinem Beitrag Disruptive technology will not kill banks in der Financial Times. Seine Sicht begründet Authers damit, dass alle Bestrebungen, die Banken zu ersetzen, an den strengen regulatorischen Bestimmungen scheitern würden. 
Darauf antwortete JP Nicols mit Sorry, but Disruptive Technology WILL Kill Banks. Verantwortlich für den schleichenden Niedergang der Banken macht Nicols u.a. das nach wie vor ausgeprägte hierarchische Denken, welches einer Anpassung des Geschäftsmodells an die technologischen Herausforderungen im Weg steht. Dieser externe Selektionsdruck, wie er u.a. von den diversen FinTech-Startups ausgeht, und der in Zukunft noch zunehmen wird, führt nach Ansicht von Nicols dazu, dass die Banken dem technologischen Fortschritt, repräsentiert durch die sog. disruptive technologies, zum Opfer fallen. 

Eine im Vergleich zu den vorgenannten Standpunkten vermittelnde Position nimmt John Gapper mit seinem Beitrag Technology will hurt banks, not kill them, der ebenfalls in der Financial Times erschien, ein. Zwar sei es nicht von der Hand zu weisen, so Gapper, dass der technologische Fortschritt den Banken arg zusetzt und noch zusetzen wird, jedoch könne es nicht im Interesse der neuen Herausforderer wie Google & Co. sein, dass die Banken völlig von der Bildfläche verschwinden. Ziel der Non- und Near-Banks sei nicht, die Banken vollständig zu ersetzen, sondern zu ergänzen. Für ihre Finanzdienstleistungen benötigen sie die Infrastruktur der Banken. Hinzu kommen die bereits erwähnten regulatorischen Hürden. Hier erfüllen die Banken auch weiterhin ihren Zweck. In diesen Bereich vorzustossen, wäre für die Herausforderer mit zu hohen Kosten und Risiken verbunden. 

Nicht weit von dieser Position entfernt ist Bjorn Cumps in Battle for the Payment Platforms. Wie er am Beispiel der Bezahlplattformen verdeutlicht, wird sich der Wettbewerb im Banking in Zukunft zwischen verschiedenen Ökosystemen abspielen. Paradebeispiel ist hier Apple; und das nicht nur wegen Apple Pay. Als weitere Ökosysteme nennt Cumps Google/Android und MCX/Walmart/Paydiant. Es sei nicht das Ziel dieser Ökosysteme, so Cumps, das gesamte Bankgeschäft an sich zu reißen, sondern mit ihren Services auf die bestehende Infrastruktur der Banken aufzusetzen. Ihnen geht es darum, die von den Kunden bevorzugte Plattform, der zentrale Einstiegspunkt für die Abwicklung ihrer Bankgeschäfte zu werden:
Tech companies do not want to become banks. They just want a sizeable part of the pie of certain banking services (payments, credits, …). They know how to optimize or even re-engineer certain parts of the banking processes in a way banks never did. Tech companies are in the payments value chain from now on. No doubt about that. .. How much of the payments pie they will be able to claim depends on how these new ecosystems will evolve. .. How new value will be created with new services. And finally, which platform will come out as the winner. 
Weite Teile des Banking verlagern sich auf digitale Plattformen, auf Medienplattformen. Wer diese dominiert, oder koordiniert, wird König sein - auch, aber nicht nur im Banking. 



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