Samstag, 1. Oktober 2016

be your own bank, oder: Wenn die Digitale Identität das Bankkonto ersetzt

Von Ralf Keuper

Kann es sein, dass die Kunden ihr Bankkonto demnächst in gewisser Weise selbst verwalten? Mit der Verbreitung digitaler Identitäten könnte dieses Szenario Realität werden. Bereits vor einem Jahr war die Frage auf diesem Blog ein Thema:
Die Blockchain könnte hierbei eine Schlüsselrolle übernehmen. Beispielhaft dafür ist das Projekt be - your own bank. Näheres dazu ist in dem Beitrag “Identity on the blockchain” — chapter 2 zu erfahren. Als quasi letzte Verifikations-Instanz fungiert hierbei die e-Residency Card von Estland. 

Weiterhin heisst es in dem Beitrag zur Rolle der Banken in der bank 2.0 Architektur: 
The idea we wanted to test out was what to us will be the “bank 2.0” architecture — with banks being not custodians but just facilitators. The Blockchain enables, for the first time in history, to have a third party offering financial services while keeping the users fully in control of their funds.
Ganz abgesehen davon, ob das Projekt die Erwartungen erfüllt, bleibt festzuhalten, dass die Banken durchaus auf die Rolle von facilitators reduziert werden könnten. 

Robin Knox von Intelligent Point of Sale dürfte mit seiner Einschätzung nicht alleine sein:
With advances in online identity verification also disrupting the market, the role of the traditional bank is in danger of diminishing. Who ultimately manages your money need not be the person it always was. (in: How technology will transform Scotland’s banking sector)

Freitag, 30. September 2016

Digital finance for all: Powering inclusive growth in emerging economies

Von Ralf Keuper

Nachdem sich die Boston Consulting Group kürzlich in Digital Payments 2020: The Making of a $500 Billion Ecosystem in India mit dem Potenzial von Digital Payments auf dem indischen Subkontinent beschäftigt hatte, legt das McKinsey Global Institute mit ihrer Studie Digital finance for all: Powering inclusive growth in emerging economies nach. 

Auszug: 
The benefits of digital payments go far beyond driving down costs and increasing the convenience of existing transactions. Like electricity or roads, a digital-payment network can become part of the basic infrastructure of an economy and can underpin a broader and more innovative array of economic activity. We consider three important emerging business models. The first is financial services based on the increased transparency and information about users generated by digital payments. The second type builds on the idea that digital payments allow people to transact in small amounts, creating new opportunities based on micropayments. The third type of new business model is e-commerce and on-demand services made possible by digital payments
Die Entwicklung, die McKinsey beschreibt, wurde von dem Medienphilosophen Marshall McLuhan vor Jahrzehnten skizziert, was auf diesem Blog u.a. in Digital Payments und die magischen Kanäle thematisiert wurde.

Weitere Informationen:

Can Africa's mobile money revolution reduce poverty?

"Im Turm zu Basel" Banken-Komödie von Theresia Walser

Von Ralf Keuper

In ihrem von der Kritik überwiegend positiv aufgenommen Theaterstück "Im Turm zu Basel" beschäftigt sich Theresia Walser mit dem Innenleben von Zentralbankern. 
In Basel treffen sich alle zwei Monate die 17 Chefs der wichtigsten Zentralbanken in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), um über die Zukunft des internationalen Finanzwesens zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen der Regulierung. Nicht von ungefähr spricht man von Basel 1, Basel 2 und Basel 3

Ein Stück über Finanzmärkte zu schreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Stück über Menschen, die diese Märkte steuern: das geht schon eher. Theresia Walser, seit ihrem Durchbruch mit "King Kongs Töchter" für das Groteske und Bizarre zuständig, hat sich auf die Spur von Zentralbankern begeben und versammelt sie nun im "Turm von Basel". Dort wird disputiert und getafelt, Kalbsgeschnetzeltes vor allem – quasi das Gegenstück zum Hungerturm von Gerstenbergs "Ugolino" aus dem Sturm und Drang. Aber auch die Banker sind eingeschlossen in einem privaten Kosmos, der zur bösen Realität nur periphere Kontakte unterhält.
Nicht wenige glauben, dass mit der Verbreitung digitaler Währungen und der Blockchain-Technologie ein neues Zeitalter anbricht, in dem für Zentralbanker und deren mehr oder weniger geheime Treffen kein Bedarf mehr besteht. Diese Hoffnung könnte jedoch trügen, wie Izabella Kaminska in The Priests, the Temples and the Blockchain Clearing Systems einwirft. Es bestehe eine auffallende Kontinuität zwischen dem Tempelkult der Antike und den Verheißungen der Blockchain. 

Stoff für ein weiteres Theaterstück ;-) 

New Banking: Ein kurzer Wochenrückblick #KW39

Von Ralf Keuper

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

Donnerstag, 29. September 2016

Lösungen für die digitale Identifizierung (Marktüberblick und -aussicht)

Von Ralf Keuper

Die Kunden wollen heutzutage ihre Geschäfte am liebsten von zuhause aus oder über ihre mobilen Endgeräte abschließen. Eine Schlüsselstellung haben dabei die Identifizierungstechnologien, die ein digitales Onboarding ermöglichen, d.h. der Kunde kann sich über das Internet ausweisen.

Rückblick

In der Vergangenheit waren Kunden, die ein Bankkonto eröffnen wollten, gezwungen eine Filiale aufzusuchen. Die Identifizierung erfolgte am Bankschalter durch den Personalausweis.
Mit dem Aufkommen der Direktbanken, die über keine eigenen Filialen mehr verfügten, übernahm die Post die Identifizierung der Neukunden mit dem Post-Ident-Verfahren. Der Kunde muss sich dazu mit seinem Ausweis in eine Postfiliale begeben, wo dann seine Identität bestätigt wird. Mit der Zulassung des Video-Ident-Verfahrens durch die BaFin im März 2014 kam eine weitere Option hinzu. Die Kunden konnten nun per Video identifiziert werden.

Neuer Schwung durch Video-Ident 

Der Markt für die Identifizierung der Kunden beim digitalen Onboarding ist in den letzten Jahren vor allem durch der Verbreitung des Video-Ident-Verfahrens in Bewegung geraten. Als Pioniere gelten WebID und IDnow. Daneben steht mit der Identity Trust Management AG ein Anbieter, der beide Welten - online und offline - abdeckt und damit ein Allrounder ist. Und nicht zu vergessen: Die Post. Ein weiterer Marktakteur ist die Cybits AG, die sich als digitales Einwohnermeldeamt im deutschen Internet etablieren will. In den Startlöchern steht Authada. Dort setzt man ganz auf die Möglichkeiten des neuen Personalausweises nPA bei der mobilen Identifizierung mit dem Smartphone. 

WebID und IDnow im Visier der Post

Momentan befindet sich die Post auf Konfrontationskurs zu WebID und IDnow, worüber Capital in Deutsche Post will Fintechs plätten und in Post klagt gegen Fintech - und schiesst Eigentor berichtete.

Gesetzliche Bestimmungen als Treiber der Marktentwicklung

Ein ähnlicher Schub, wie zuvor von dem Video-Ident-Verfahren, könnte von der eIDAS-Verordnung ausgehen. Damit ist es möglich, Identifizierungs- und elektronische Signaturdienste in allen europäischen Mitgliedsstaaten einheitlich anzubieten. Im Zentrum steht dabei die Qualifizierte elektronische Signatur, die die Schrifterfordernis für viele Rechtsgeschäfte ersetzt. Auf diese Weise könnten die Anbieter von Identifizierungslösungen ihr Geschäftsfeld erweitern, oder in den Worten von Sebastian Bärhold von IDnow
Die digitale Identität und die Automatisierung von Geschäftsprozessen stehen in vielen Industrien wie der Finanzbranche, dem Gesundheitsbereich oder im staatlichen Bereich in Europa noch ganz am Anfang und versprechen ein riesiges Marktpotential.
Profiteure dieser Entwicklung sind die Anbieter sog. Vertrauensdienste für elektronische Signaturen und Genehmigungen, wie DocuSign und die Bundesdruckerei.

Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist die EU-Richtlinie PSD2, die die Banken dazu verpflichtet, ihre Infrastruktur u.a. für Account Information Service Providers zu öffnen. Damit könnte das Credential Sharing eine wichtige Rolle bei der digitalen Identifizierung übernehmen. Ob die Banken über diese Entwicklung erfreut sind, ist eine Frage , ebenso wie es offen ist, ob dies zu einer Disruption im Banking führt, wie in PSD2 ‘Access to Account’ (XS2A): time to get real about banking API business strategies skizziert. Einen guten Überblick gibt der Beitrag How does PSD2 affect bank customers' digital identity?. Darin werden die Ebenen Identifizierung, Authentifizierung und Autorisierung näher erläutert. 

Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen

Wie das Rundschreiben der BaFin Anforderungen an die Nutzung von Videoidentifizierungsverfahren bei der Kontoeröffnung vom April diesen Jahres zeigt, könnte das Video-Ident-Verfahren deutlich an Attraktivität für die Kunden und Anbieter verlieren. Die Regelung wurde auf Druck der Banken und Fintech-Startups zunächst ausgesetzt

Ein weiterer Anpassungsdruck könnte von den Telekommunikationsunternehmen ausgehen, die mit Mobile Connect versuchen, einen Standard für die digitale Authentifizierung zu setzen. Ähnliches gilt für die Fido (Fast Identity Online) Alliance, die von namhaften Unternehmen unterstützt wird, darunter Alibaba, American Express, Bank of America, Intel und Lenovo. Erwähnenswert in dem Zusammenhang ist TeleSign in Australien. Hinzu kommen noch staatliche Identifizierungslösungen wie e-Residency in Estland, BankID in Norwegen, GOV.UK Verify in Großbritannien und Aadhaar in Indien. 

Neu in das Geschäft mit der digitalen Identifizierung eintreten können auch Anbieter von Personal Data Stores, wie Digi.me

So viel kann man jetzt schon sagen: In Zukunft wird die Mobile ID eine Schlüsselfunktion in der digitalen Ökonomie übernehmen. Die Szenarien reichen dabei vom Mobile-Single-Sign On über die Mobile Digital Signature bis hin zu Mobile as Personal Trusted Device.

Wie Rudolf Linsenbarth unlängst in Mobile Identität. Der Personalausweis und das Smartphone in c´t feststellte, stösst die Verwendung des neuen Personalausweises (nPA) bei der digitalen Identifizierung in der Realität auf Hürden. 

Noch nicht abzusehen sind die Auswirkungen der Verbreitung biometrischer Verfahren und der Blockchain-Technologie. 

Der Markt formiert sich neu

Eins ist sicher: Der Markt für die digitale Identifizierung wie überhaupt für digitale Identitäten hat großes Potenzial. Momentan sind die Anbieter dabei, sich zu positionieren, was angesichts der technologischen Entwicklung und der regulatorischen Risiken alles andere als einfach ist. Wer macht das Rennen? Werden künftig einige spezialisierte Anbieter den Markt dominieren oder erobern die großen Internetkonzerne (facebook, Apple, Google) das Feld ? Was ist mit den Banken? Was mit den Telekommunikationsunternehmen mit Mobile Connect und dem M4D Digital Identity Programme? Welche Partnerschaften und Allianzen werden sich bilden? Was für Auswirkungen hat PSD2? Welche Rolle spielen die Regierungen? Was machen die Industrieunternehmen, wie VW mit der VW-ID? Was ist mit der POSTID? Kurzum: Who will control the identity of the future?
Überhaupt: Was geschieht, wenn die Anwender künftig über die Verwendung ihrer Daten (mit-)bestimmen, wie es u.a. die General Data Protection (GDPR) vorsieht? 

Liegt die Zukunft ausschließlich im Online-Bereich?

Es scheint eigentlich offensichtlich bzw. unausweichlich, dass die Identifizierung in naher Zukunft nur noch digital erfolgen wird. Nur - was ist, wenn die Online-Identifizierung - aus was für Gründen auch immer - nicht erfolgreich durchgeführt werden kann? Welche Auswirkungen hat das auf die Conversion-Rate? Es wird auch in Zukunft noch genügend Menschen geben, die den Gang in eine Filiale oder einen Shop der Online-Identifizierung vorziehen, wovon Anbieter wie die Post und die Identity Trust Management AG profitieren dürften. Wie wichtig ist die persönliche Begegnung? Eine Frage, die ja auch mit Blick auf die Zukunft der Filialen gestellt wird. 

Bei der Timpson Group in England ist man davon überzeugt, dass auch in Zukunft der persönliche Kontakt - face to face - Bestand haben wird. Mit dem Identity Shop ArkHive setzt das Unternehmen, das u.a. ein führender Anbieter von ID-Fotos in Großbritannien ist, ein Zeichen. 

Samstag, 24. September 2016

Signature Bank: Relationship Banking auf moderne Art

Von Ralf Keuper

In den Banken geht die Sorge um, die einstmals enge Beziehung zwischen dem Berater und dem Kunden könne durch die fortschreitende Digitalisierung obsolet werden. Schon bald stünden Robo Advisors den Kunden in wichtigen Fragen zur Vermögensbildung und -mehrung hilfreich zur Seite. Berater wären dann überflüssig.

Eine Bank, die es bisher durch individuelle Beratung, sowohl über das Internet als auch mit Filialen, geschafft hat, langfristige Beziehungen zu ihren Kunden aufzubauen, ist die Signature Bank, die u.a. als "New Yorks beste Bank" bezeichnet wird. Gegründet im Jahr 2001, dem Scheitelpunkt der New Economy, hat sich die Signature Bank in den letzten fünfzehn Jahren in die Reihe der 50 größten Banken der USA empor gearbeitet:
With currently about $33 billion in assets Signature Bank is one of the 50-biggest banks in the U.S. Since commencing operations in May 2001, the Bank has grown to $33.45 billion in assets, $23.79 billion in loans, $26.77 billion in deposits, $2.89 billion in equity capital and $5.21 billion in other assets under management as of December 31, 2015. (Quelle Wikipedia)
Die Bank unterhält in New York und Connecticut 32 Filialen. Neben dem Online Banking bietet Signature auch Mobile Banking an. Die Kunden sind überwiegend Selbständige/Freiberufler und mittelständische Unternehmen. 

Gerade erst wurde die Signature Bank vom New York Law Journal zum dritten Mal zur Best Business Bank gekürt

Über ihre Geschäftsphilosophie gibt die Bank auf ihrer Homepage Auskunft:
Signature Bank’s unique organizational structure allows our clients to have a single point of contact–through a Private Client Group–for all of their banking needs. The members of our Private Client Groups are recruited from major New York banks and brokerages, and given top-notch support, products and resources in order to best serve Signature Bank clients. Our structure combines small-bank responsiveness with large-bank experience and capability – truly the best of both worlds.
Die Bank deckt über die Tochtergesellschaften Signature Securities Group Corporation und Signature Financial ein breites Spektrum an Finanzdienstleistungen ab, wie das Wealth Management und Leasing/Equipment Financing.

Anfang des Jahres geriet Signature zum ersten Mal in negative Schlagzeilen. Dabei geht es um den Anlageberater William Landberg und dessen mittlerweile liquidierte Firma West End Financial Advisors

Freitag, 23. September 2016

New Banking: Ein kurzer Wochenrückblick #KW38

Von Ralf Keuper

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind: